Sitten Neuseeland
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Sitten Neuseeland

Anstandsregeln und Sitten in Neuseeland

Dass Neuseeland etwas andere Verhaltensregeln aufweist als andere Länder, merkt man bereits beim Betreten eines einfachen Supermarktes oder Geschäftes. Anstelle des üblichen „Hallo“s oder „G`Day“, das man in Europa und bei den australischen Nachbarn erwartet, wird man hier mit einem freundlichen „How is it going?“ begrüßt, das so überzeugend nach aufrichtigem Interesse klingt, dass der ungeübte Käufer schon versucht ist, nicht nur mit „Good, thank you. And how are you?“ zu antworten sondern auch gleich von der eigenen Lebensgeschichte zu erzählen (beides natürlich völlig unangebracht gegenüber einer fremden Verkaufsangestellten).

Wie dem auch sei, Neuseeländer sind bekannt für ihre Freundlichkeit und ihr aufgeschlossenes Wesen – und erwarten im Gegenzug auch Freundlichkeit zurück. Vor allem in kleineren Gemeinden und ländlicheren Gegenden ist es nicht unüblich, auch völlig fremde Menschen zu begrüßen – zumindest mit einem kurzen Nicken, Winken oder nettem Lächeln – und auch in größeren Städten sollte man stets höflich und freundlich sein. Als Belohnung wird man dann auch überraschend schnell – man ist kaum über den gegenseitigen Austausch von Namen und die Standard-„Where are you from?“-Frage hinaus – zu Barbecues und sonstigen Festen und Veranstaltungen eingeladen. Und diese Einladungen sollte man nicht nur aus Höflichkeit, sondern auch aus sozialen Kontakt knüpfenden Gründen nicht abschlagen.

Wer eine Einladung zum Beispiel zu einem Barbecue erhält, hört oft den Satz „Bring a plate“. Dies bedeutet nicht, wie viele Neuankömmlinge fälschlicher- (und peinlicher-)weise denken, dass man den eigenen Teller mitbringen soll, sondern ist ein Hinweis darauf, ein Gericht wie Nudelsalat oder ähnliches beizusteuern. Aber auch ohne ausgesprochene Aufforderung des Gastgebers gilt als Anstandsregel in Neuseeland, zu Festen, Barbecues und Feiern stets etwas mitzubringen, und wenn es auch „nur“ eine Flasche Wein ist.

Besonders freuen sich die Kiwis aber über aus Europa mitgebrachte Schokolade oder ähnliches oder auch über Selbstgemachtes nach Rezept aus dem eigenen Heimatland. (Dafür beim Kofferpacken an kleine Mitbringsel aus der Heimat oder eben ein Kochbuch denken.) Wer mit leeren Händen vor der Tür des Gastgebers aufkreuzt, wird natürlich nicht wieder nach Hause geschickt, worin sich einmal mehr die Toleranz und Freundlichkeit der Neuseeländer zeigen ließe. Allerdings wird es dennoch als unhöflich betrachtet und die Peinlichkeit, als einzige Person nichts beigesteuert zu haben, sollte vermieden werden.

Zu den Essgewohnheiten in Neuseeland ist generell zu sagen, dass die Kiwis, wie andere Nationen auch, drei Hauptmahlzeiten am Tag zu sich nehmen, Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Anders als die meisten es von zu Hause kennen, wird der Lunch, also das Mittagessen, aber sehr klein gehalten, das heißt, es gibt primär Sandwiches und andere kalte Kleinigkeiten wie pikante Muffins.

Für das Mittagessen wird dementsprechend wenig Zeit aufgewandt, was unter anderem mit der Lebensform der meisten Neuseeländer zusammen hängt. Die große Mehrheit der Bevölkerung lebt immerhin nach wie vor auf dem Land und die Farmarbeit konzentriert sich auf die Zeit von morgens bis nachmittags. Die Pausen, die während der Arbeit eingelegt werden, sind daher kurz aber reichlich. So gibt es beispielsweise zwischen drei und vier nochmals eine Tasse Tee und süßes Gebäck. Hauptaugenmerk liegt schließlich auf dem Abendessen, das meist reichhaltig und auf dem Land fast immer fleischhaltig ist, um die müden Farmer nach einem langen Tag zu stärken. Beliebt sind Braten, Steaks und Würstchen, die oft mit (Süß-)Kartoffeln und weiterem (meist selbst angebautem) Gemüse serviert werden.

Auch wenn es nach wie vor meist die Frau ist, die für die Zubereitung des Essens zuständig ist, ist das Klischee der Hausfrau, die sich um Haus und Kinder kümmert während der Mann die schwere Arbeit erledigt, auch auf Neuseelands Farmen nicht mehr adäquat. Es ist zwar zutreffend, dass der Mann zumeist die kraftraubenderen Farmaktivitäten übernimmt, wie Schafe scheren oder Lämmer schlachten. Dagegen sind es aber meist die Frauen, die sich auch außerhalb der Farm beruflich engagieren und etablieren, wie zum Beispiel im „Artificial Breeding“, dem künstlichen Befruchten von Kühen, oder bei der Arbeit als Tierpflegerin. Da das Einkommen der Farm vor allem in kleineren Betrieben kaum noch ausreicht, sind es oft die Frauen, die parallel zur Farmarbeit weitere Nebenjobs ausüben, die sich gut mit dem Leben auf der Farm verbinden lassen, wie zum Beispiel im Morgengrauen Zeitungen austragen.

In Neuseeland herrscht im Allgemeinen eine große Gelassenheit, was die Gleichstellung und Position der Frau betrifft. Im Land, das als erstes weltweit das Wahlrecht für Frauen einführte, gibt es kaum mehr Diskussionen um mangelnde Gleichberechtigung. Der einzige Bereich, an dem die Frauen in gewissem Sinne benachteiligt werden, ist beim Thema „oben ohne“. Auch wenn der Kleidungsstil in Neuseeland generell landestypisch gelassen und leger ist und man fast überall in Shorts und T-Shirt hereingelassen wird, sind die Neuseeländer beim Thema FKK eher zurückhaltend und auch das Ausziehen von Bikini-Tops wird nur an einsamen Buchten geduldet, an populären Stränden aber gar nicht gern gesehen.

Weit mehr als ungern gesehen wird ein anderes Vergehen, das in Neuseeland schwer geahndet wird: die Umweltverschmutzung. Neuseeland gilt international als sauberes grünes Land, aber auch das Land der Kiwis hat mit zunehmenden Umweltproblemen zu kämpfen und der Fokus liegt daher verstärkt auf der Bekämpfung und Bestrafung aller Umweltsünder.

So gilt es bereits als absolutes Unding, selbst biologisch abbaubare Obst- und Gemüsereste in der Natur liegen zu lassen, ganz zu schweigen von der Verschmutzung der Naturschönheiten mit nicht zersetzbarem Abfall, die an so etwas wie Hochverrat oder Landesbeleidigung grenzt. Zur Zeit wird in den Medien kontrovers diskutiert das in Neuseeland erlaubte Wildcampen, also das Campen auf öffentlichen Plätzen außerhalb von regulären Campingplätzen, zu verbieten oder zumindest zu beschränken, um der Vermüllung der Landschaften entgegenzuwirken.

Reisende und Neuankömmlinge sollten generell folgende Regeln in Bezug auf Umwelt und Umweltverschmutzung beachten:

  1. Das Pflücken von Pflanzen ist in den meisten Teilen des Landes verboten.
  2. Abfall nicht begraben oder verbrennen (obwohl letzteres auf dem Land nicht unüblich ist...), sondern von Picknickplätzen wieder mitnehmen und in Mülleimern entsorgen.
  3. Exkremente in flachen Löchern vergraben, falls mal keine Toiletten vorhanden sein sollten – am besten weit entfernt von Campingplätzen, Gewässern und Hütten.
  4. Geschirr und Kleider nicht in Flüssen oder Seen waschen, vor allem nicht mit Seife. Besser Eimer mit Wasser befüllen und verschmutzte Utensilien darin waschen.
  5. Wenn mögliche tragbare Benzinkocher benutzen und offene Feuer klein halten. Das Feuer anschließend mit Wasser löschen.
  6. Sofern möglich immer auf öffentlichen Wegen bleiben. Wer Privatgrundstücke betreten will, sollte vorher um Erlaubnis fragen und umsichtig mit dem Vieh umgehen.

Von diesen Anstandsegeln und Sitten abgesehen, die im Übrigen nicht verwunderlich oder besonders eigenartig sind, ist Neuseeland ein sehr entspanntes Reiseziel mit Bewohnern, die gerne ein Schwätzchen halten, freundlich, tolerant und aufgeschlossen gegenüber anderen Kulturen sind und in der Regel „Relaxen“ und die „Lay-back-Attitude“ sehr groß schreiben.

Sowohl auf dem Land, auf dem die Mehrheit der Neuseeländer zu Hause ist, als auch in der Stadt geht es eher gelassen zu und gerade auch Gelassenheit und Ruhe zu bewahren, vor allem in stressigen Situationen wie der Wohnungssuche oder dem ersten Tag an der neuen Universität, ist eine Sitte, die insbesondere deutsche Studenten noch erlernen müssen.